09/11/2009

Der 9.11.1969 und die Linke

Der 9. November ist in der jüngeren deutschen Geschichte omnipräsent. Abseits von Mauerfall und Reichspogromnacht gibt es ein paar Eckpunkte, die leicht vergessen oder übersehen werden. Heute vor 40 Jahren sollte im Jüdischen Gemeindezentrum in Westberlin eine Bombe explodieren. Die Bombenleger: Linksradikale aus dem Umfeld der Haschrebellen. Die Tupamaros/Westberlin war die erste militante Gruppe aus dem Zerfallsmasse der Studentenbewegung. Ihr Bombenanschlag gab auch die Richtung der bekannteren Gruppen, RZ und RAF, vor. Die westdeutsche militante Linke war bereits mit ihrem ersten Attentat antisemitisch aufgestellt.

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06/11/2009

Wir brauchen eine Punkrocker-Seelsorge-Hotline

Normalerweise interessiert es mich ja nicht die Bohne, wenn eine Boyband wieder ein Comeback feiert. Aber für diese Jungs mach ich mal eine Ausnahme. Wizo stehen der Gerüchteküche zufolge wieder kurz davor, ein neues, gemeinsames Album zu verbrechen. Von Festivals ist auch die Rede. Der kurze Hinweis auf der Website und im MySpace-Blog lautet lapidar: festivals ab mai, neues album im sommer, infos bald!

Die Kommentare in MySpace überschlagen sich vor Lob und Vorfreude. Ich selber weiß noch garnicht, was ich davon halten soll. Comebacks kranken im Allgemeinen daran, dass man damit beweist, nicht verstanden zu haben, wann eigentlich die beste Zeit zum Aufhören gewesen wäre. Wizo hatten es eigentlich punktgenau getroffen: Die Hochphase des Punk waren die 80er und 90er Jahre, die übriggebliebenen Bands verfielen entweder dem Kommerz oder wurden derart marginalisiert, dass sie die eigene Clientel nicht mehr kennt. Oder sie verwandelten sich zu einer Band mit anderem Ansatz, anderem Publikum und anderer Melodie. Aus But Alive wurden ja bekanntlich Kettcar. Das hat funktioniert. Comebacks laufen meistens so ab: Die Koryphäen erklären, dass sie wieder zurück kommen. Die Fans und Groupies sind aus dem Häusschen. Die Erfolge und die Erinnerungen an die Vergangenheit nähren die Erwartungen für die Zukunft, die nicht erfüllt werden können, da die Band wie die Fans älter geworden sind. Die Zeiten haben sich geändert, die Band versucht aber genau dort weiter zu machen, wo sie aufgehört hat. Das ganze floppt und das Comeback hat die Band erst von dem Thron heruntergeschubst, auf dem sie bisher friedlich residierte.

Auf ihrer Abschiedstournee zelebrierten Wizo das Zugrabetragen ihrer Sau. Damit sicherten sie sich in einem kleinen, aber feinen Kreis ihre Unsterblichkeit. Ich werde manchmal etwas pathetisch, ich weiß. Sei´s drum: Mit dem Comeback schlagen sie womöglich selbst die Sargnägel in ihren eigenen Erfolg. Mein Tipp an alle: Begreift das jetzige Projekt als etwas Neues, lasst die Erinnerungen dort, wo sie hingehören, Wizo Heute eignen sich nicht als Projektionsfläche der 90er. Wenn das nicht hilft, bleibt einfach tapfer.

Jetzt geb ich schon Tipps für altgewordene Punkrockmusikhörer. Vielleicht kommt demnächst noch eine Notfallhotline. Wie sagten Wizo so schön auf ihrer Abschiedstournee? Punk ist reaktionär geworden. Wie wahr. Comebacks sind wohl das konservativste, was das Musikgeschäft zu bieten hat.

04/11/2009

Zitat des Tages: Luhmann

Aber Beobachtung zweiter Ordnung ist ja nicht nur Beobachtung erster Ordnung. Sie ist weniger und sie ist mehr. Sie ist weniger, weil sie nur Beobachter beobachtet und nichts anderes. Sie ist mehr, weil sie nicht nur diesen ihren Gegenstand sieht (=unterscheidet), sondern auch noch sieht, was er sieht und wie er sieht, was er sieht; und eventuell sogar sieht, was er nicht sieht, und sieht, daß er nicht sieht, daß er nicht sieht, was er nicht sieht. Auf der Ebene der Beobachtung zweiter Ordnung kann man also alles sehen: das, was der beobachtete Beobachter sieht, und das, was der beobachtete Beobachter nicht sieht. Die Beobachtung zweiter Ordnung vermittelt einen universalen Weltzugang.

20/10/2009

Nochmal: Die Grünen

Nach ein paar Tagen Jamaica-Entscheidung im Saarland sind mir noch ein paar Gedanken zu dieser Entscheidung gekommen, die ich nochmal gerne festhalten möchte. Es ist nicht so, dass mir diese Sache schlaflose Nächte bereiten würde. Im Gegenteil, schaut man sich die Grünen im Speziellen und die Parteienlandschaft in der BRD im Ganzen an, ist die Jamaica-Koalition im Saarland eigentlich eine logische Entwicklung. Historisch gesehen hat sich die Parteienlandschaft in der BRD aus einem Drei-Parteiensystem (SPD, CDU, FDP) hin zu einem Fünf-Parteiensystem entwickelt (in den 80er die Grünen, mittlerweile die Linke). Das kann in der Logik nur auf Kosten der Stimmenanteile der größeren Parteien vonstatten gehen, zumal die kleinen Parteien tendenziell immer mehr Stimmen für sich reklamieren konnten. Auch die letzte Bundestagswahl hat dies wieder gezeigt. Galt die FDP lange als Wendehals und mit ihrem Wortbruch an Schmidt als Verräterpartei, und in Folge eher mit der CDU assozziiert, gaben die Grünen der SPD erst wieder eine wirkliche Machtoption, was sich dann auch 1998 realisierte. Die Psychologie der Machtoption ist nicht zu unterschätzen: Mit dem Auftauchen der Linken auf der politischen Bühne und dem kategorischen Nein der SPD zu einer Koalition auf Bundesebene mit diesen hat sich die SPD eben diese Machtoption bei der letzten Bundestagswahl verbaut; aus dem Bauch würde ich sagen, die Hälfte der Linken-Wähler war vorher SPD-Wählerschaft, sodass es nun für Rot-Grün alleine nicht mehr ausreicht. Das Ergebnis war ein Absturz der SPD in ungeahnte Tiefen. Ich weiß, nicht nur wegen der fehlenden Machtoption: Strategische Ausrichtung und Festhalten an Fehlentscheidungen durch den starken Einfluss des wirtschaftsliberalen Flügels der SPD sowie die unterhaltsamen Vorstellungen von Simonis & Ypsilanti trugen ihres dazu bei. Aber bleiben wir abseits des Tagesgeschäftes bei der statistischen Analyse. Die Linke zieht der SPD Wählerschaft ab, sodass es für Rot-Grün nicht mehr ausreicht. Eine ganz ähnliche Situation ergibt sich im Saarland, wenngleich Maas & Co. weit weniger dogmatisch und unklug an die Sache heran gehen. Aber hier schien alles offen: Jeder konnte mit jedem, noch nicht einmal eine Große Koalition (Nein, nicht die zwischen SPD und der Linken ist gemeint) war von den Spekulationen ausgenommen. Somit gabs – rein rechnerisch – ein machtoptionales Patt. Weiterlesen →

18/10/2009

Ich bin ein Pilger…

Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt;
der Feuer sieht und weiß nicht, wo es brennt;
vor dem die Welt in fremde Sonnen rennt.

Ich bin ein Träumer, den ein Lichtschein narrt;
der in dem Sonnenstrahl nach Golde scharrt;
der das Erwachen flieht, auf das er harrt.

Ich bin ein Stern, der seinen Gott erhellt;
der seinen Glanz in dunkle Seelen stellt;
der einst in fahle Ewigkeiten fällt.

Ich bin ein Wasser, das nie mündend fließt;
das tauentströmt in Wolken sich ergießt;
das küßt und fortschwemmt – weint und froh genießt.

Wo ist, der meines Wesens Namen nennt?
Der meine Welt von meiner Sehnsucht trennt?
Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt.

Erich Mühsam: Die Wüste (1904)

17/10/2009

Schatz, der Fisch schmeckt heute so seltsam…

…und war doch nun wirklich einer von der teuren Sorte:

(Alt, ich weiß. Trotzdem heute erst zufällig drüber gestolpert)

11/10/2009

Grüner Blindflug voraus

Was fällt mir zu den Grünen ein? Bomben auf Belgrad, Weiterbetrieb der Atomkraftwerke und Hartz IV. Sollte man über sie sonst noch was wissen? Ab heute vielleicht noch dies: Das erste Jamaica-Bündnis auf Landesebene geht an den Start, wenn die Delegierten der Saar-Grünen auf dem Parteitag in Saarlouis der Empfehlung des Landesvorstandes folgen. Muß man dazu noch mehr sagen?

Ja, ich weiß. Es gab und gibt personelle Querelen. Eine Abgeordnete der Grünen lief unlängst zur Linkspartei über. Seit dem sind die Grünen auf die Linke im Allgemeinen und auf Barbara Spaniol im Besonderen nicht mehr wirklich gut zu sprechen. Spätestens. Und Spaniol  wurde auch – für die Linke – wieder in den Landtag gewählt. Damit dürfte das wesentliche zu der Entscheidung bereits gesagt sein. Hubert Ulrich, Freunde nennen ihn übrigens nur ‘Panzer’, spricht ja auch von einer pragmatischen Lösung. Will heißen: CDU und FDP bezahlen wohl am meisten. Sex sells und Politics rules. Oder eher umgekehrt?

Ich freue mich schon auf die Kommentare der bundesdeutschen Wendehälse, die vor ein paar Wochen noch Schwarz-Gelb zu verhindern gedachten. Es wird natürlich heißen, die Landesverbände sind autonom undsoweiter. Aber irgendwie ist es doch seltsam, dass diese ehemaligen Spontis und Atomkraftgegner mit dem politischen Gegner plötzlich ins Bett steigen. Eine gemeinsame Basis gabs ja schon, im Saarbrücker Stadtrat gibt es bereits eine schwarzgrüne Koalition. Nun holt man noch die Radikalen der FDP mit ins Boot, und schwups, darf man von „Sachzwängen“, „schwierigen Entscheidungen“ reden und ähnlichen Quark verzapfen. Zeig mir mal einen Grünenwähler, der Jamaica wollte. Mit dem würd ich gern mal reden. Bleibt zu hoffen, dass den Saargrünen die Basis um die Ohren fliegt und es in einem Jahr Neuwahlen gibt. Falls beides nicht passiert, reicht es das nächste Mal für Rot-Rot. Und diese Mülltrenner-FDP bleibt dort, wo sie mittlerweile hingehört: In den Stadtrat.