Popsongs und mit ihnen Popkultur gehören dem Reich des Flüchtigen an, diese Musik lebt für den Augenblick, sie ist sein Ausdruck, die Takte pulsieren wie ein Pulsschlag – Mode folgt auf Mode, und nach einem Kosten, nach einem Atemzug verfliegen ihre Melodien mit der Leichtigkeit, der sie entsprungen sind. Popsongs sind selten mehr als eine Momentaufnahme, mehr als ihren Inhalt transportieren sie durch ihre Form die Vergänglichkeit. Sie haben erst gar nicht den Anspruch auf Wiederkehr, auf Ewigkeit, sie sind dem Hier und Jetzt zugewandt, sie verbrennen sich selbst im Zeitgeist, sie haben ihren Anteil an der Gegenwart und erheben keinen Anspruch auf die Zukunft, sie wecken Bedürfnisse und werden konsumiert, sie sind Waren einer Industrie, die sie unentwegt ausspuckt und den Lidschlag des Augenblicks in ihre Dienste stellt. Durch ihrer Hinwendung auf das Gegenwärtige, ihre Möglichkeit, Gefühle, Eindrücke und Empfindungen mit Druck auf die Play-Taste hervorzurufen, sind sie in erster Linie ein Symbol für das dem Leben zugewandte Bewusstsein, welches sich dem Moment hingibt und in ihm aufzugehen wünscht. Unabhängig davon, ob die Lieder angenehme oder unangenehme Gefühle transportieren, sind sie Ausdruck von Lebensfreude.
Mit Liedern ist es immer so eine Sache: Sie transportieren Gefühle durch die Zeit, indem sie in einem gewissen Moment, in einer gewissen Situation die Gefühlswelt aufsaugen und mit einem Drücken der Play-Taste wieder abgeben. Lieder werden mit Gefühlen codiert, es entsteht eine Wechselwirkung zwischen der Gefühlswelt und dem Song; die Lieder werden mit den Gefühlen beschrieben, die sie fortan mehr oder weniger hartnäckig kennzeichnen. Besonders auffällig wird dies bei den starken Emotionen, nicht bei den nervigen Werbejingles, die im Supermarkt neben den Werbebotschaften aus dem Lautsprecher um die Aufmerksamkeit des Menschen buhlen. Aber auch hier führt Wiederholung zu einer Codierung.

Besonders heikel wird es dann, wenn es um die Zusammensetzung verschiedener Lieder und damit eines individuellen Gefühlsteppich geht. Hier kann ohne Brüche auf der einen Ebene harter Rock neben Klassik stehen, neben Punkrock ein Schlager. Diese Kompositionsmöglichkeiten machen es erst so schwierig, verschiedene Lieder nebeneinander zu stellen; wer Lieder nach Genres einteilt und zusammenstellt verkennt diese individuelle Codierung von Liedern. Genau das aber macht es auch unmöglich, vernünftig Lieder zusammenzustellen, wenn sie nicht für einen selbst gedacht sind.
Oftmals ist eine Codierung im Lied schon abzusehen oder vorgezeichnet: Es gibt Stimmungslieder, es gibt Volks-Lieder, es gibt Liebeslieder. Es gibt langsame Stücke, es gibt tanzbare Stücke, es gibt Stücke für ältere Menschen und es gibt den Jugendpop. Aber ausnahmslos alle Lieder, die mit persönlichen Gefühlen beschrieben werden, enthalten eine individuelle Bedeutung, eine individuelle Färbung abseits vom Tradierten. Und deshalb muss jedes Lied, das codiert wurde, interpretiert werden, da ansonsten die individuelle Färbung nicht erklärt werden kann.
So ungefähr jedenfalls verstehe ich die Funktion von Liedern. Diese Gedanken sind noch in Arbeit. Sie kommen mir, wer hätte es gedacht, bei Liedern, die eine ganz bestimmte Saite schwingen lassen.
Geht mir ganz ähnlich, ich hab meine Musiksammlung mal nach Stimmungen sortiert.
Und ich hab Musik aus seeehr unterschiedlichen Genres, die Playlist wirkt mitunter recht grotesk
Wenn mir Musik gefällt dann hör ich die. Mir ist Mode und Alter der Song oft sehr egal. Allerdings möchte ich auch immer mitbekommen was es so an neuen Songs gibt. Habe auch mal nach Stimmungen sortiert. Mache das auch immer noch aber meistens sind die in den zuletzt gespielten Songs immer in der Reihenfolge wie ich die gern hätte. Musik drückt eigentlich nur Gefühle aus. Das war schon immer so. Als ich Konformationsunterricht hatte (noch gar nicht so lange her), gab es einige Lieder wo kein Jahr stand. Und meistens nur sowas wie: Melodie: Aus Israel. Musik hat sich eigentlich nie geändert. Nur die Mode. Und die bestimmt ja so gut wie alles was wir tun. Leider.
Musik nach Genres zu unterscheiden, ist schon doof. Neben dem Sortierungskriterium der “Gefühle” und “Stimmungen” ist aber das der “Tiefe” nicht ganz unwichtig. Es gibt platte Musiken und weniger platte, geradezu unabhängig von dem Gefühl/Erlebnisinhalt/der Stimmung/dem Geschmack.
Ist allerdings ein Tabu, weil es daran rührt, daß die einen ein geringeres musikalisches Sprachvermögen besitzen und die anderen ein größeres. Drollig in diesem Zusammenhang finde ich so Sätze wie “ich mag Schönbergs Musik einfach nicht”. Wenn´s so einfach wäre..
Die Tiefe ist abhängig von der persönlichen Erfahrungsebene. Es gibt sehr viele Poplieder, die man gut und gerne in die Schublade “Flach” oder “einfach gestrickt” schieben könnte, die aber unter einem bestimmten Blickwinkel eine Tiefe offenbaren, die man vorher nicht erkannt hat. Auch legen verschiedene Interpreten eines Liedes unterschiedliche Interpretationen nahe. Legt man diese übereinander, ergibt sich aus einem “flachen” Song schon gleich ein ganz anderes Bild.
Bei einigen hier vorgestellten Popliedern versuche ich das näher zu erläutern, zum Beispiel bei Lady Gaga.