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Lang, lang ists her: 1995 ging der Punk ab in Hannover. Es sollte ein Vorgeschmack auf die Expo 2000 werden, welche ja bekanntlich weitaus hermetischer abgeriegelt worden ist und somit ohne größere Zwischenfälle von statten ging.

Vor ein paar Tagen bin ich wieder über den Szenefilm Krieg der Welten gestolpert, der komplett online steht. Es ist ein zweifaches Zeitdokument: Er schneidet in krassen Sprüngen die Vorkommnisse und Kommentare der Fernsehmedien zusammen und vermittelt so ein Bild der medialen Ausgrenzung, die in Teilen zu einer Radikalisierung (oder Selbstbestätigung, wie man möchte) des Kleinbürgertums geführt hat. Letztlich führte auch das zu den Eskalationen. Andererseits offentbart der Film eine erschreckende Leichtigkeit in Sachen Metaphorik und Kurzschlüssen: Lagerbilder von Auschwitz, krasse Schnitte hin zu der Schlüsselstelle Der ewige Jude überblenden historische Vergleichbarkeit mit Beliebigkeit. Man mag zu den Thesen stehen wie man will, dass der deutschen Kultur ein spezifischer Antisemitismus immanent ist, die Demokratie oktroyiert werden musste und mit ein wenig Chaostage die Dehumanisierung der Punks durch die Medien in der Öffentlichkeit nur noch ein Katzenwurf weit weg gewesen ist. Aber es gibt – nicht zuletzt wegen des zweiten Punktes – einen qualitativen Unterschied zwischen NS und BRD. Diesen zu verkennen, ohne die Kontinuitäten aus den Augen zu verlieren, inflationiert und instrumentalisiert die deutsche Geschichte über den Punkt hinaus, wo Vergleichbarkeit zu Beliebigkeit wechselt und man somit weder der einen Epoche noch der anderen gerecht werden kann. Eine Verharmlosung und Betriebsblindheit der Punkbewegung kommt hier zum tragen, die in dem unerträglichen Ob Links, ob Rechts, hauptsache gegen den Staat von Teilen der Oi-Bewegung mündet. Das ist nichts anderes als eine Entpolitisierung seiner Selbst, und nicht wenige haben genau aus diesem Grunde Abstand von der Punkszene genommen.

Das im Blick, könnte ca. 6:50-7:05 trotzdem interessant sein, ebenso die Passage zum Pennymarkt nach rund einer Stunde. Da plündern Punks und Bürger in ungewohnter Zweisamkeit einen Pennymarkt.