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Monatsarchiv: November 2009

Erinnerungspolitik

30 Montag Nov 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Geschichtliches, Gesellschaft et cetera

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Schlagwörter

Demjanjuk, Deutschland, Erinnerung, Erinnerungspolitik, Geschichte, Holocaust, Holocaustleugner, Shoah, Täter

Heutzutage ist es ja fast schon Mode geworden, die eigene Vergangenheit als Apell an andere zu richten. Deutschland ist geläuert, seht her, wir können uns mittlerweile als die moralischen Richter über Kriegsverbrechen in allen Teilen der Welt aufspielen. Die rotgrüne Bundesregierung sah dann auch “Auschwitz im Kosovo” – vor Kühnheit zitternd integriert man die eigene Geschichte in die Politikrhetorik der Gegenwart. Im Erinnerungswettbewerb stehen die Revisionisten um Steinbach hoch im Kurs; einzig ein einsamer liberaler Außenminister scheint sich ihnen noch in den Weg zu stellen. Deutschland hat gelernt: Die Zweite Schuld ist abgegolten, die Erinnerung an die Shoah ist Staatsräson. Weshalb belassen sie es dabei?

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Leitsatz

17 Dienstag Nov 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Erich Mühsam, Gesellschaft et cetera, Lyrik, Pop & Ästhetik

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Schlagwörter

Ästhetik, Erich Mühsam, Life, Lyrik, Mühsam

Fürcht nicht die Stunde, da du stirbst.
Die Welt, o glaub´s mir, kann dich missen.
Kein Stern, um dessen Licht du wirbst,
wird mit dir in den Tod gerissen.

Solang du lebst, wirst du gebraucht.
Soll dich das Leben nicht vergessen,
sorg, daß die Tat nicht untertaucht,
an der du deine Kraft gemessen.

Leb, daß du stündlich sterben kannst,
in Pflicht und Freude stark und ehrlich.
Nicht dich – das Werk, das du begannst,
mach für die Menschheit unentbehrlich!

Erich Mühsam, o.J.

Der 9.11.1969 und die Linke

09 Montag Nov 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Antisemitismus Antijudaismus, Geschichtliches, Gesellschaft et cetera

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Schlagwörter

9.11., Antisemitismus, Deutschland, Geschichte, Linke, Politics, Politik, Tupamaros

Der 9. November ist in der jüngeren deutschen Geschichte omnipräsent. Abseits von Mauerfall und Reichspogromnacht gibt es ein paar Eckpunkte, die leicht vergessen oder übersehen werden. Heute vor 40 Jahren sollte im Jüdischen Gemeindezentrum in Westberlin eine Bombe explodieren. Die Bombenleger: Linksradikale aus dem Umfeld der Haschrebellen. Die Tupamaros/Westberlin war die erste militante Gruppe aus dem Zerfallsmasse der Studentenbewegung. Ihr Bombenanschlag gab auch die Richtung der bekannteren Gruppen, RZ und RAF, vor. Die westdeutsche militante Linke war bereits mit ihrem ersten Attentat antisemitisch aufgestellt.

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Wir brauchen eine Punkrocker-Seelsorge-Hotline

06 Freitag Nov 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Bolles Welt, Musik

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Konsumterror, music, Musik, Pop, Wizo

Normalerweise interessiert es mich ja nicht die Bohne, wenn eine Boyband wieder ein Comeback feiert. Aber für diese Jungs mach ich mal eine Ausnahme. Wizo stehen der Gerüchteküche zufolge wieder kurz davor, ein neues, gemeinsames Album zu verbrechen. Von Festivals ist auch die Rede. Der kurze Hinweis auf der Website und im MySpace-Blog lautet lapidar: festivals ab mai, neues album im sommer, infos bald!

Die Kommentare in MySpace überschlagen sich vor Lob und Vorfreude. Ich selber weiß noch garnicht, was ich davon halten soll. Comebacks kranken im Allgemeinen daran, dass man damit beweist, nicht verstanden zu haben, wann eigentlich die beste Zeit zum Aufhören gewesen wäre. Wizo hatten es eigentlich punktgenau getroffen: Die Hochphase des Punk waren die 80er und 90er Jahre, die übriggebliebenen Bands verfielen entweder dem Kommerz oder wurden derart marginalisiert, dass sie die eigene Clientel nicht mehr kennt. Oder sie verwandelten sich zu einer Band mit anderem Ansatz, anderem Publikum und anderer Melodie. Aus But Alive wurden ja bekanntlich Kettcar. Das hat funktioniert. Comebacks laufen meistens so ab: Die Koryphäen erklären, dass sie wieder zurück kommen. Die Fans und Groupies sind aus dem Häusschen. Die Erfolge und die Erinnerungen an die Vergangenheit nähren die Erwartungen für die Zukunft, die nicht erfüllt werden können, da die Band wie die Fans älter geworden sind. Die Zeiten haben sich geändert, die Band versucht aber genau dort weiter zu machen, wo sie aufgehört hat. Das ganze floppt und das Comeback hat die Band erst von dem Thron heruntergeschubst, auf dem sie bisher friedlich residierte.

Auf ihrer Abschiedstournee zelebrierten Wizo das Zugrabetragen ihrer Sau. Damit sicherten sie sich in einem kleinen, aber feinen Kreis ihre Unsterblichkeit. Ich werde manchmal etwas pathetisch, ich weiß. Sei´s drum: Mit dem Comeback schlagen sie womöglich selbst die Sargnägel in ihren eigenen Erfolg. Mein Tipp an alle: Begreift das jetzige Projekt als etwas Neues, lasst die Erinnerungen dort, wo sie hingehören, Wizo Heute eignen sich nicht als Projektionsfläche der 90er. Wenn das nicht hilft, bleibt einfach tapfer.

Jetzt geb ich schon Tipps für altgewordene Punkrockmusikhörer. Vielleicht kommt demnächst noch eine Notfallhotline. Wie sagten Wizo so schön auf ihrer Abschiedstournee? Punk ist reaktionär geworden. Wie wahr. Comebacks sind wohl das konservativste, was das Musikgeschäft zu bieten hat.

Zitat des Tages: Luhmann

04 Mittwoch Nov 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Gesellschaft et cetera

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Schlagwörter

Ästhetik, Beobachtung, Life, Luhmann

Aber Beobachtung zweiter Ordnung ist ja nicht nur Beobachtung erster Ordnung. Sie ist weniger und sie ist mehr. Sie ist weniger, weil sie nur Beobachter beobachtet und nichts anderes. Sie ist mehr, weil sie nicht nur diesen ihren Gegenstand sieht (=unterscheidet), sondern auch noch sieht, was er sieht und wie er sieht, was er sieht; und eventuell sogar sieht, was er nicht sieht, und sieht, daß er nicht sieht, daß er nicht sieht, was er nicht sieht. Auf der Ebene der Beobachtung zweiter Ordnung kann man also alles sehen: das, was der beobachtete Beobachter sieht, und das, was der beobachtete Beobachter nicht sieht. Die Beobachtung zweiter Ordnung vermittelt einen universalen Weltzugang.

Was mal wichtig war

To play or not to play

Antisemitismus in der Partei Die Linke

Und immer wieder: WIZO

2012, Avatar & Co: Arbeit unterm Spätkapitalismus

Der 9.11.1969 und die Linke

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