Normalerweise interessiert es mich ja nicht die Bohne, wenn eine Boyband wieder ein Comeback feiert. Aber für diese Jungs mach ich mal eine Ausnahme. Wizo stehen der Gerüchteküche zufolge wieder kurz davor, ein neues, gemeinsames Album zu verbrechen. Von Festivals ist auch die Rede. Der kurze Hinweis auf der Website und im MySpace-Blog lautet lapidar: festivals ab mai, neues album im sommer, infos bald!
Die Kommentare in MySpace überschlagen sich vor Lob und Vorfreude. Ich selber weiß noch garnicht, was ich davon halten soll. Comebacks kranken im Allgemeinen daran, dass man damit beweist, nicht verstanden zu haben, wann eigentlich die beste Zeit zum Aufhören gewesen wäre. Wizo hatten es eigentlich punktgenau getroffen: Die Hochphase des Punk waren die 80er und 90er Jahre, die übriggebliebenen Bands verfielen entweder dem Kommerz oder wurden derart marginalisiert, dass sie die eigene Clientel nicht mehr kennt. Oder sie verwandelten sich zu einer Band mit anderem Ansatz, anderem Publikum und anderer Melodie. Aus But Alive wurden ja bekanntlich Kettcar. Das hat funktioniert. Comebacks laufen meistens so ab: Die Koryphäen erklären, dass sie wieder zurück kommen. Die Fans und Groupies sind aus dem Häusschen. Die Erfolge und die Erinnerungen an die Vergangenheit nähren die Erwartungen für die Zukunft, die nicht erfüllt werden können, da die Band wie die Fans älter geworden sind. Die Zeiten haben sich geändert, die Band versucht aber genau dort weiter zu machen, wo sie aufgehört hat. Das ganze floppt und das Comeback hat die Band erst von dem Thron heruntergeschubst, auf dem sie bisher friedlich residierte.
Auf ihrer Abschiedstournee zelebrierten Wizo das Zugrabetragen ihrer Sau. Damit sicherten sie sich in einem kleinen, aber feinen Kreis ihre Unsterblichkeit. Ich werde manchmal etwas pathetisch, ich weiß. Sei´s drum: Mit dem Comeback schlagen sie womöglich selbst die Sargnägel in ihren eigenen Erfolg. Mein Tipp an alle: Begreift das jetzige Projekt als etwas Neues, lasst die Erinnerungen dort, wo sie hingehören, Wizo Heute eignen sich nicht als Projektionsfläche der 90er. Wenn das nicht hilft, bleibt einfach tapfer.
Jetzt geb ich schon Tipps für altgewordene Punkrockmusikhörer. Vielleicht kommt demnächst noch eine Notfallhotline. Wie sagten Wizo so schön auf ihrer Abschiedstournee? Punk ist reaktionär geworden. Wie wahr. Comebacks sind wohl das konservativste, was das Musikgeschäft zu bieten hat.