Ausnahmsweise mal ein Zeriss: Dragon Age: Origins

Also eigentlich sollte man sich nicht über bestellte Werbeartikel in Zeitschriften ärgern. Es ist eine Win-Win Situation für beide Beteiligte, der Konsument darf sich dann bestätigt fühlen, auch wirklich was gutes zu kaufen. Lächerlich wird das ganze, wenn es wie bei telepolis mit pseudointellektueller Schaumschlägerei daher kommt. Aber die lesenswerte Zeit hat dieses Internetmagazin sowieso hinter sich.

Trotzdem lohnt sich ein Blick auf das angepriesene Spielchen. Dragen Age: Origins ist der neueste Streich von Bioware und verspricht zusammen mit Risen eine schöne Rollenspielzeit in diesem Winter. Nunja, fast eigentlich. Es hat ein paar hübsche Ideen, eine akzeptable Grafik und belegt auf der Festplatte rund 18 Gigabyte. Mächtig Holz vor der Hütte also. Nur geboten wird einem so etwas wie Diablo.

Man läuft von A nach B um ein Problem zu lösen. Unterwegs überfallen einen Zufallsbegegnungen, die sich gesalzen haben. Das Problem in B entpuppt sich als ein Dungeon-Marathon, entweder durch eine Magierakademie, durch einen fast verlassenen Turm, durch einen wilden Wald samt verfallenem Palast oder was weiß was für ein originelles Setting. Überall jedenfalls das selbe: Irgendwelche Gegner, die nach dem Schloß-Schlüssel-Prinzip mehr oder weniger mit taktischer Finesse ausgeschaltet werden wollen. Ich weiß überhaupt nicht, was ich zu diesem Spiel noch mehr sagen soll. Die nette Grafik? Die respektablen Videos (irgendwohin müssen ja die ganzen Gigabyte fließen, nicht)? Ich weiß nicht: Diablo war auch so schon ganz nett. Aber Dragon Age: Origins ist nunmal kein Diablo und hat höhere Ansprüche. Die kommen auch ansatzweise in der Interaktion mit den einzelnen Gruppenmitgliedern heraus. Aber die Story, oder, vielmehr wie die Story vorangetrieben wird, ist das letzte.

Bereits bei der DSA-Umsetzung Drakensang ging mir die Kampflastigkeit ziemlich auf den Keks. Als würde Rollenspiel sich dadurch auszeichnen, mit einer dicken Keule auf den Kopf von anderen Leuten zu schlagen. Oder wahlweise mit einem Schwert. Oder einer Axt. Oder einem Degen? Das soll Rollenspiel sein? Ich weiß nicht, wer auf eine solche Idee gekommen ist. Jedenfalls wird einem das als Rollenspiel verkauft. Natürlich, Action gehört dazu. Keine Frage. Aber ich kann doch nicht allen Ernstes die komplette (!) Story dem Kampf unterordnen. Ein Beispiel: Ich soll ein paar randalierende Söldner aus einer Taverne prügeln. Habe ich das nötige Talent, kann ich sie einschüchtern, sodass sie kampflos abziehen. Gut, könnte man sich denken, wenigstens ein wenig Luft schnappen darf man in einem Spiel, das in Kämpfen förmlich ertrinkt. Aber was passiert dann? Der Hauptmann kommt an der nächsten Straßenbiegung vorbei und fordert Revanche für den blamablen Auftritt seiner Söldner. Also doch Kampf: Mit der Fähigkeit zum Einschüchtern und eine Situation ohne Kampf zu lösen wird  mir letztlich noch ein Strick gedreht.

Und so geht es in diesem elenden Spiel immer weiter. Ich weiß wirklich nicht, wem so etwas gefallen sollte. Gut, ein paar Freaks gibts bestimmt. Aber das sind auch nicht die, die gerne Diablo gespielt haben. Dafür sind die Dialoge zu lang und die Videos zu wenig körperbetont. Dragon Age: Origins ist kein Hybridspiel, es ist nichts Ganzes und nichts Halbes. Die Dungeonruns, die elend langen Wege durch Kampfgebiet nehmen den größten Teil des Spiels ein – es hilft noch nicht einmal, wenn man das Spiel auf die einfache Schwierigkeitsstufe stellt und sie so schnell wie möglich abspulen lässt, damit es endlich mit dem interessanten weiter geht. Das Verhältnis ist in etwa 80 zu 20. Für je 10 Spielstunden habe ich also ungefähr zwei Stunden Spielspaß. Das ist irgendwie zu wenig, oder nicht?

Wie gesagt, man sollte sich über Lobhudeleien nicht ärgern. Sie kommen bestellt oder unbestellt, wirkliche Zerisse liefert man Spielen (oder allgemein: Produkte), bei denen wirklich nichts mehr schön zu reden ist oder eben nichts bestellt wurde. Die Lobhudelei wird Teil des Zeitgeistes, der Widerspruch noch in sich als aufwertende Kritik integriert. Also besser kein gutes Haar dran lassen. Nicht an telepolis, nicht an Dragon Age: Origins.

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Ansichten zu Politik & Kultur. Letzter Erkenntisgewinn: Popkultur ist die hedonistische Seite der Melancholie.
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6 Antworten zu Ausnahmsweise mal ein Zeriss: Dragon Age: Origins

  1. Skalg schreibt:

    Ach, noch jemand der nicht widerstehen konnte. Klang aber auch so toll, was einem da versprochen wurde.
    Die Story fand ich jetzt nicht soo schlecht dargestellt wie sich das hier liest, aber ja, auch ich hab irgendwann auf leicht gestellt weil strategische Kämpfe einfach viel zu lange dauern…Vergessen wir nicht besonders nervige Situtationen, wenn man eigentlich aufhören möchte, aber nicht speichern kann, weil kampf auf Kampf folgt (was stehen die Gegner auch so nah einander) und man im Kampf nicht speichern kann. Und das Leveln geht endlos langsam – Motivation diesbezüglich gleich null, da wollt ich lieber schnell die Story durchspielen und nicht leveln, dauert auch so schon lang genug. Ich werd mich jedenfalls nie wieder darüber beschweren, dass Spiele zu kurz sind…

    So, und jetzt wieder zurück ans spiel, bin fast fertig und will dieses Jahr noch die Endsequenz zu sehen bekommen…

    • UnderTakeThisLaw schreibt:

      Ich habe entnervt aufgegeben. Die interessanten Storyelemente sind viel zu gering im Vergleich mit den ganzen Kämpfen. Halb so viele Kämpfe, und es wäre ein gutes Spiel geworden.

  2. Skalg schreibt:

    Also ich habs jetzt hinter mir, das Ende war ziemlich enttäuschend. Im Prinzip war die gesamte Story von Anfang an klar, keine einzige Wendung (wie ich sie von FF gewohnt bin). Schade, da wurde viel Potenzial einfach verschenkt.

    • UnderTakeThisLaw schreibt:

      FF VII ist der Knaller gewesen. Was habe ich das damals auf der PlayStation gespielt. Jungejunge. Ich habe einigen Aufwand betrieben, um es für den PC zu bekommen. Das ist wirklich der Inbegriff eines epischen Rollenspiels! Danke, dass du mir das wieder in Erinnerung gerufen hast.

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