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Kategorien-Archiv: Geschichtliches

Zum Tode von Arno Lustiger

16 Mittwoch Mai 2012

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Antisemitismus Antijudaismus, Geschichtliches, Gesellschaft et cetera

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Arno Lustiger, Geschichte, Holocaust, jüdische Geschichte, Juden, Nachruf, Rettungswiderstand, Shoa

“Mein Vater las, wo immer er sich auch befinden mochte, Zeitung. Zu jeder Tags- und Nachtzeit vertiefte er sich mit ernstem Gesicht in Mitteilungen, Darstellungen und Nachrichten, riss Artikel, die ihn interessierten, heraus, faltete sie zusammen, legte sie auf einen Tisch, auf den Boden, auf einen Stuhl, in eine Jackentasche, um sie sogleich zu verlieren.”

So beginnt Gila Lustigers Beschreibungen ihres Vaters Arno Lustiger in ihrem Familienroman So sind wir. Sie, die Tochter eines Auschwitz-Überlebenden, berichtet davon, wie sich das Trauma der Opfer auf ihre Kinder übertragen hat. Arno Lustiger überlebte die Shoa: Er überlebte das Zwangsarbeiterlager in Annaberg/Schlesien, kam von dort über das KZ Ottmuth nach Blechhammer, ein Außenlager von Auschwitz und bekam dort die Nummer A5592 eintätowiert. Im Januar 1945, bei über Minus 20 Grad und sehr viel Schnee, marschierte er auf dem ersten Todesmarsch in Richtung KZ Groß-Rosen, dann über das KZ Buchenwald in das KZ Langenstein bei Halberstadt. Heute ist das eine Entfernung von über 600 Kilometer – über ausgebaute Strassen. Im April 1945, als die amerikanischen Truppen weiter vorrückten, ging es auf den zweiten Todesmarsch, von dem Arno Lustiger schließlich fliehen konnte. Ihm gelang halsbrecherisch die Flucht, kurz bevor er die rettenden GIs erreichte, brach er ohnmächtig zusammen – ohne zu wissen, dass es seine Retter waren, die da vor ihm waren. So erzählte er die Geschichte seiner Flucht.

“Mein Vater sammelte die Meldungen aus einem Grund: Er hatte sich einmal von der Welt überrumpeln lassen, das sollte ihm nie wieder geschehen. 1939 hatte mein fünfzehnjähriger Vater noch keine Zeitung gelesen, sondern sich nach assimilierter, aufgeklärter jüdischer Tradition in irgendeinen Griechen verbissen. Und auch 1940 war der Kindertraum meines sechzehnjährigen Vaters noch nicht ganz verdorrt, wenn er auch schon zu faulen begann. Mein Vater hörte aus großer Nähe ein deutsches Barbarengeschrei, aber eine deutsche Zeitung las er nicht. (…) Mein Vater hatte sich einmal von der Welt überrumpeln lassen, nun hielt er sich, Zeitungen in acht Sprachen lesend, informiert. Er hatte am eigenen Leib erfahren: Kein Jude kann der Welt entfliehen, und wenn er es versucht, dann bezahlt er seine Realitätsflucht mit dem Leben.”

Arno Lustiger war eine Koryphäe auf dem Gebiet der Erforschung des jüdischen Widerstands gegen die Nationalsozialisten. Sein Buch “Zum Kampf auf Leben und Tod. Vom Widerstand der Juden in Europa 1933-1945″ ist ein Standardwerk. Unermüdlich brachte er dieses Wissen nicht nur seinen Studenten nahe, sondern auch auf unzähligen Vorträgen über all in der Republik. Erst letztes Jahr erschien sein letztes Buch über Rettungswiderstand, über Judenretter in ganz Europa.

Arno Lustiger engagierte sich in vielfältiger Weise und auf ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen. Ein paar wenige Schlaglichter: Er war Mitbegründer der jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main nach dem Zweiten Weltkrieg, er war Vorstandsmitglied der Budge-Stiftung. Immer wieder schaltete er sich in gesellschaftliche Debatten ein, zum Beispiel las er Oettinger die Leviten bei dessen Filbinger-Eklat. 2005 hielt er anlässlich der 60-jährigen Befreiung des KZ Auschwitz eine Rede im Bundestag. Vor allem der nach wie vor grassierende Antisemitismus waren ihm eine Herzensangelegenheit. In einem Brief wandte er sich 2007 an die Mitglieder des deutschen Bundestages mit der Bitte, einen jährlichen Bericht zum Thema Antisemitismus vorzulegen.

Zu seinen Studenten pflegte er zu sagen: “Hart in der Sache, aber nachsichtig zu den Menschen”, wenn er wieder einmal gegen braune Auswüchse in Deutschland vorging. Menschen können sich ändern, Menschen können bereuen, sagte er. Ein Menschenleben sei viel zu lang, um ein für alle Mal einen Bannspruch über einen Menschen zu sprechen. Nicht zuletzt dieser grundehrliche und entwaffnende Humanismus hinterließ einen tiefen und bleibenden Eindruck bei seinen Gesprächspartnern.

Gestern ist Arno Lustiger im Alter von 88 Jahren gestorben. Zol er likhtik ruen un lang vartn.

Die Rede von Arno Lustiger vor dem Deutschen Bundestag ist auf den Seiten des Bundestages nicht mehr zu finden. Sie war erreichbar unter der url: http://www.bundestag.de/aktuell/presse/2005/pz_0501271

Nachfolgend dokumentiere ich die Rede Arno Lustigers vor dem Deutschen Bundestag am 27. Januar 2005, wie sie im November 2006 unter der angegebenen Adresse zu lesen war. 

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Die Holocaust FAQs

26 Donnerstag Apr 2012

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Antisemitismus Antijudaismus, Geschichtliches, Rezensiert & Besprochen

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Antisemitismus, bpb, Geschichte, Holocaust, Holocaust-FAQ, Nationalsozialismus, NS, Rezension, Shoa

Es ist ein wenig Zeit vergangen, seit Hans Rothfels 1953 die “Zeitgeschichte als Aufgabe” ausrief. Geändert hat sich seit dem einiges: In Deutschland beginnt mittlerweile die Zeitgeschichte nicht mehr in dem Epochenjahr 1917, sondern mit dem zweiten bzw. dritten Kreis eher mit 1945 (die Franzosen waren noch nie von ihrem 1789 abzubringen, bei den Briten beginnt die Contemporary History mit dem Jahr 1832 und die USA fangen bei 1776 an).  Versteht man Zeitgeschichte als den Teil der Geschichte, den ein Teil der Bevölkerung bewusst miterlebt hat, kommt man um den Umstand nicht herum, dass der bloße zeitliche Abstand  den Nationalsozialismus und mit ihm die Shoa historisiert – man musste in den 80er Jahren nicht mit Broszat darin übereinstimmen, heute hat sich die Diskussion darüber gleichfalls erledigt.

Es hat sich trotzdem nichts daran geändert: die Zeitgeschichte bleibt als Aufgabe. Darunter fällt auch die adäquate Vermittlung von Wissen über die Shoa an die mittlerweile dritte, vierte und darauf folgenden Nachkriegsgenerationen. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel hat seit Jahren eine FAQ zum Thema Holocaust/Shoa online. 2011 erschien eine deutsche Version und seit drei Wochen ist die Publikation bei der Bundeszentrale für politische Bildung in einer zweisprachigen Ausgabe erhältlich.

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Januar, siebenundzwanzigster

27 Mittwoch Jan 2010

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Antisemitismus Antijudaismus, Geschichtliches, Pop & Ästhetik

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Antisemitismus, Deutschland, Geschichte, Holocaust, Shoa

Camus’ 50. Todestag

04 Montag Jan 2010

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Albert Camus, Ästhetik, Camus, Life

Heute vor 50 Jahren kam Albert Camus bei einem Autounfall ums Leben.

Er schreibt in der Hochzeit des Lichts:

Es erstaunt mich immer wieder, wie dürftig unsere Ideen über den Tod sind, da wir doch all unsere anderen Ideen so eifrig hin und her wenden. Der Tod ist entweder gut, oder er ist böse. Man fürchtet ihn oder ruft ihn herbei (wie es heißt). Dies beweist aber auch, daß das Einfache als solches über unser Begreifen geht. Was ist das, was wir ‘blau’ nennen? wie können wir´s denken? Das gleiche gilt für den Tod. Über den Tod und über die Farben können wir nicht reden. Und doch ist dieser Mensch, den ich vor mir sehe, schwer wie die Erde, eine Vorgestalt dessen, was mich erwartet, und mir unendlich wichtig. Aber kann ich ihn ‘denken’? Ich sage mir: ich muß sterben; aber was heißt das? Ich kann’s weder glauben noch an mir erfahren, sondern immer nur an andern. Ich habe Leute sterben sehen, vor allem Hunde. Das Entsetzliche ist: sie zu berühren. Ich denke dann an Blumen, an das Lächeln der Frauen, an Liebe, und begreife, daß meine Todesangst nur die Kehrseite ist meiner Lebensgier. Ich beneide alle, die künftig leben werden und die Wirklichkeit der Blumen und Frauen in Fleisch und Blut erleben. Ich bin neidisch, weil ich das Leben allzusehr und mit schicksalhafter Selbstsucht liebe. Was kümmert mich die Ewigkeit!

Die Zeit hat einen schönen Nachruf auf ihn.

Erinnerungspolitik

30 Montag Nov 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Geschichtliches, Gesellschaft et cetera

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Demjanjuk, Deutschland, Erinnerung, Erinnerungspolitik, Geschichte, Holocaust, Holocaustleugner, Shoah, Täter

Heutzutage ist es ja fast schon Mode geworden, die eigene Vergangenheit als Apell an andere zu richten. Deutschland ist geläuert, seht her, wir können uns mittlerweile als die moralischen Richter über Kriegsverbrechen in allen Teilen der Welt aufspielen. Die rotgrüne Bundesregierung sah dann auch “Auschwitz im Kosovo” – vor Kühnheit zitternd integriert man die eigene Geschichte in die Politikrhetorik der Gegenwart. Im Erinnerungswettbewerb stehen die Revisionisten um Steinbach hoch im Kurs; einzig ein einsamer liberaler Außenminister scheint sich ihnen noch in den Weg zu stellen. Deutschland hat gelernt: Die Zweite Schuld ist abgegolten, die Erinnerung an die Shoah ist Staatsräson. Weshalb belassen sie es dabei?

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Der 9.11.1969 und die Linke

09 Montag Nov 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Antisemitismus Antijudaismus, Geschichtliches, Gesellschaft et cetera

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9.11., Antisemitismus, Deutschland, Geschichte, Linke, Politics, Politik, Tupamaros

Der 9. November ist in der jüngeren deutschen Geschichte omnipräsent. Abseits von Mauerfall und Reichspogromnacht gibt es ein paar Eckpunkte, die leicht vergessen oder übersehen werden. Heute vor 40 Jahren sollte im Jüdischen Gemeindezentrum in Westberlin eine Bombe explodieren. Die Bombenleger: Linksradikale aus dem Umfeld der Haschrebellen. Die Tupamaros/Westberlin war die erste militante Gruppe aus dem Zerfallsmasse der Studentenbewegung. Ihr Bombenanschlag gab auch die Richtung der bekannteren Gruppen, RZ und RAF, vor. Die westdeutsche militante Linke war bereits mit ihrem ersten Attentat antisemitisch aufgestellt.

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Antisemitismus revised

11 Freitag Sep 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Antisemitismus Antijudaismus, Geschichtliches, Gesellschaft et cetera

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Antisemitismus, Benz, Deutschland, Geschichte, Holocaustleugner, Islamismus, Islamophobie, Politics, Politik

In der letzten konkret gab es einen interessanten Artikel über die neue Ausrichtung des Zentrums für Antisemitismusforschung in Berlin. Dazu  hatte sich bereits Matthias Küntzel letztes Jahr geäußert (Klick & Klick). Der konkret-Artikel ist nun in einer erweiterten Fassung auf Lizas Welt erschienen: Klick erster Teil & Klick zweiter Teil.

Von Epochen und dem NineEleven

11 Freitag Sep 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Geschichtliches

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9/11, Epochengrenzen, Geschichte, Geschichtstheorie, Nine Eleven

Geschichte ist eine Fiktion des Menschen. Besser: Konstruktion. Die Zeit schreitet voran und der Mensch versucht sich, einen Reim darauf zu machen. Eine Frage dabei ist nicht nur, wie Geschichte funktioniert, ob sie durch Gesetze oder Gesetzmäßigkeiten bestimmt wird und falls ja, welche das sind. Eine weitere – und auch bodenständigere – Frage ist die nach der Periodisierung der Geschichte. Bereits der erste uns bekannte Historiker versuchte, eine Struktur in der Geschichte aufzuweisen, eine Funktionsweise darzulegen und – in der Hauptsache – der Nachwelt ein Ereignis zu überliefern, dass er für das größte und bedeutendste der Menschheitsgeschichte hielt. Kein Wunder, dass dieses Ereignis ein Krieg war; Thukydides berichtet uns vom Peloponnesischen Krieg. Für ihn war die Welt nach dem Peloponnesischen Krieg nicht mehr die selbe wie vorher; für uns beginnt mit diesem Krieg die überlieferte Weltgeschichte.

Seit Thukydides ist in Sachen Geschichtstheorie bis ins 19. Jahrhundert nicht mehr viel passiert. Nein, das stimmt natürlich nicht – mit dem Christentum fand eine über ein Tausend Jahre alte Umwälzung des Geschichtsverständnisses statt, die Vergangenheit gedeutet unter der Folie der Religion. Die Idee eines „Mittelalters“ kam erst mit der Renaissance auf und in diesem Mittelalter selbst finden sich neben allen Chroniken und Zeitbeschreibungen durchaus – aber durchweg religiös kolorierte – Geschichtsauffassungen und Sinnzusammenhänge in der Historik.

Es ist wohl kein Zufall, dass Thukydides den größten Krieg seiner Zeit als Markierung einer Epochenumwälzung nahm. Versuchen wir eine Periodisierung in der Neueren Geschichte, dann könnten wir mehrere Daten anführen, je nachdem, was wir im Blick haben: 1492 ist eine solche Wegmarke, die Vertreibung der spanischen Juden aufgrund der  limpieza de sangre, der Reinheit des Blutes, bereitet der Forschung bis heute Probleme, da der vormoderne Antijudaismus eben definiert ist als vormoderne Judenfeindschaft ohne rassistische oder völkische Elemente. Aus diesem Grunde lässt Langmuir die Moderne mit diesem Datum anfangen. Auch gilt 1492 als das Jahr der Entdeckung Amerikas. Auch aus diesem Grunde  könnte man dieses Jahr als Startschuss in die Moderne ansehen. Man könnte auch 1450 als Epochengrenze ansehen, da hier die Popularisierung des Buchdrucks angesiedelt ist – mit Folgen für die Durchschlagskraft der Reformation – welche man mit 1517 beginnen lassen könnte. Aber es könnte auch der Dreißigjährige Krieg herangezogen werden. Ähnlich wie der Peloponnesische Krieg war es nicht ein einziger Krieg, sondern eine dreißig Jahre sich hinziehende Verwüstung Mitteleuropas. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war Europa ebenfalls nicht mehr so wie vorher.

Kurz: Epochengrenzen sind per se Konstruktionen, was nicht heißt, dass sie beliebig sind. Das gleiche gilt für unsere Gegenwart. Mit 1917 beginnt für die deutsche Geschichtswissenschaft die Neueste Geschichte. Wie bei Thukydides dient hier der Krieg beziehungsweise Begleitumstände des Krieges als Markierung: Der Eintritt der USA in den 1. Weltkrieg und damit der Austritt aus der Tradition des Isolationismus und die russische Oktoberrevolution; 1917 ist der Startschuss für die bipolare Welt des kurzen 20. Jahrhunderts. Für gewöhnlich wird diese Epoche naheliegenderweise mit 1989 und dem Wegfall der bipolaren Blockstellung als beendet angesehen.

Ich halte diese Einteilung aus mehreren Gründen für problematisch. Die Aufteilung der Welt in die Antagonismen Ost und West fiel zwar in der Tat 1989 weg, jedoch wirkten die über ein halbes Jahrhundert bestimmenden politischen Koordinaten die gesamten 90er Jahre über hinweg weiter. Der Zerfall des Ostblocks mit der Annektion der DDR durch die BRD und der Dekolonialisierung der übrigen sowjetischen Satelliten musste erst vollzogen werden, das westliche Verteidigungssystem stand vor der Frage, welche Legitimation es überhaupt noch hat und die  Kriege im Zuge des Zerfalls Jugoslawiens könnte man als die letzten Stellvertreterkriege der alten bipolaren Welt ansehen. Das Gerede vom Ende der Geschichte kam nicht zufällig in diesen 90er Jahren auf, als die Generationen prägende Folie des Ost-West-Konfliktes am zerfallen war. Die These Fukuyamas belegt, wie sehr das Denken der 90er Jahre noch durch diese Determinanten abgesteckt war.

Unsere Gegenwart wird jedoch auf beinahe allen Ebenen durch Nine Eleven bestimmt, die bipolare Welt, die 1917 begann, wurde erst mit diesem Datum endgültig beendet. Die Betonung liegt auf „unsere Gegenwart“: Abseits der kulturell definierten westlichen Hemisphäre mögen die Uhren anders laufen, wenngleich diese Flecken der Erde zunehmend kleiner werden. Und wie alle Zeitgenossen zu allen Zeiten, nehmen wir auch unsere Gegenwart unmittelbar wahr, das heißt, dass später sehr wohl andere Kategorisierungen sinnvoll sein können – für Thukydides hatte sein Peloponnesischer Krieg eine andere Bedeutung wie für uns; 1989 war als Definitionsgrenze in den 90er Jahren durchaus angemessen. Auch hier zeigt sich der Konstruktionscharakter von Geschichte. Die Gegenwart zwingt uns unseren eigenen Begriff von der Vergangenheit zu machen.

Marcuse zu Adornos 40. Todestag

23 Sonntag Aug 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Geschichtliches, Gesellschaft et cetera

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Schlagwörter

Adorno, Geschichte, Kritische Theorie, Marcuse, Philosophie

Am 6. August jährte sich Adornos Todestag zum vierzigsten Male, er starb am 6.8.1969 im Alter von 65 Jahren. Leise ging es zu im Blätterwald – die ZEIT kannte das Datum nur in ihrem Kalenderblatt, die FAZ ignoriert es geflissentlich, die Springer-Welt erinnert sich in der Überschrift nur an nackte Titten – auch wenn Kraushaars Text nicht wirklich viel damit zu tun hat -  und die Frankfurter Rundschau setzt sich mit einem Film über Adorno auseinander, statt mit Adorno selbst. Die Jungle World sezierte Marcuse zum dreißigsten Todestag, aber nicht Adorno, die konkret vom August verliert auch kein Wort über ihn. Weiter mag ich gar nicht schauen, irritierte mich doch, dass der Östereichische ORF mehr zustande brachte und auch in Wien hat man sich anscheinend wenigstens irgendwie bemüht.

Wenigstens lässt einen die Blogosphäre nicht allein. So findet sich bei Aisthesis ein gelungener Nachruf.

Wenns also für einen vernünftigen Nachruf im Blätterwald nicht gereicht hat, könnte man wenigstens in die Archive gehen und dort was suchen, wenn man selbst nichts zustande bekommt. Da fände man zum Beispiel einen Text von Herbert Marcuse vom 24. August 1969 als Vorbereitung auf eine ARD-Sendung. Weiterlesen »

Die meisten Frauen haben für die Technik keine Antenne

01 Samstag Aug 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Geschichtliches, Gesellschaft et cetera, Klamauk

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Schlagwörter

Deutschland, Frauenbild, Geschichte, Geschlechterrollen, Klamauk, Mentalitätsgeschichte, Satire

Ich weiß garnicht, ob es den noch gibt, den 7. Sinn. Dieser Spot ist aus dem Jahre 1971.

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