Bei dem ganzen Rummel um das Abstimmungsverhalten der Bayern über das Rauchverbot dieser Tage hatte ich mich daran erinnert, dass telepolis einmal einen lustigen Artikel über einen in der Roten Fahne zur “Nichraucherindustrie” hatte. Den Artikel auf tp gibt es immer noch.
Jetzt stellte ich allerdings fest, dass die Vollpfosten von der Roten Fahne das nicht nur tatsächlich ernst meinten (der Artikel auf tp erschien am 1.4.2007), sondern auch nach wie vor darüber fabulieren:
Da diese Menschen sonst auch ziemlich schmerzfrei sind, lasse ich das mit der Verlinkung einmal. Falls es jemanden interessiert, kann er ja dort selbst nachschlagen und sich ausführlich über die Machenschaften dieses Bereichs der herstellenden Industrie, die den armen Nichtraucher ausbeutet, informieren.
Meine Favoriten in Sachen Rechtschreibung (und auch Inhalt) sind die Vögel hier:
Manchmal habe ich den Eindruck, ich sei einer der wenigen, die noch auf Rechtschreibung stehen. Vor allem im Internet merkt man doch daran sehr schön, ob man jemanden ernst nehmen kann oder nicht. Oder?
Ich dachte, ich wäre mit meinem Beitrag zum Thema Krümmel & Co. wie immer etwas spät an, ein wenig verschlafen und mit ziemlich wenig eigenem Content vertreten. Ich glaube, dass lass ich garnicht erst einreißen bei diesem Thema, sondern stelle nur mal eben fest, dass die Startseite von Telepolis im Moment ganze sieben Artikel zum Thema (Anti-) Atom und regenerative Energien meldet (und seltsamerweise der Iran-Artikel das Wort “Atom” nur in einem Nebensatz am Ende nennt, den hab ich da dann mal nicht mitgezählt), auf der zweite Seite sind es dann immerhin noch drei Stück.
Und wer jetzt noch einem Geistesblitz folgend seinen Werbefilter ausschaltet, bekommt folgendes zu sehen:
Wie da die Atommafia wohl hineingeraten ist? Das ist ja schon fast Kommunikationsguerilla von hüben… aber die nennen sowas dann virales Marketing.
Die Piratenpartei sind ja in der letzten Zeit zu so etwas wie die Don Quijotes des Internets avanciert. Es war und ist sehr interessant zuzusehen, wie sie die etablierten Parteien zur Zeit aufmischen und nervös machen – nicht unbedingt die Piraten selbst, sondern eher die internetaffine Generation. Ob die Piraten zu einem Sammelbecken werden, muss sich erst noch zeigen, aber ich fühle mich jetzt schon leicht an die Anfänge der Grünen erinnert. Anders jedoch als damals, aber ähnlich der Etablierung der Linkspartei als fünfte parlamentarische Kraft, gibt es so etwas wie Goldgräberstimmung: Teilweise weiß die Partei gar nicht, wen sie sich da in die Reihen holt, oder vielleicht höflicher, sie ist etwas überfordert. Und so wundert es nicht, dass sich dort auch Leute mit manch einer fragwürdigen Position sammeln.
Die Tage überlegte ich noch, ob dieser monokausale Politikansatz, eine Ein-Thema-Partei, wie es die Piratenpartei (zur Zeit) ist, vielleicht die Zukunft der Parteienpolitik sein könnte. Es hat schon eine gewisse Dreistigkeit in der heutigen Zeit, sich genau für ein Thema als Partei zu konstituieren. Wirklich unklug ist es im Falle der Piratenpartei nicht: Bei dem in der Mediengeschichte jüngsten Massenmedium, dem Internet, lassen sich wunderbar die klassischen Fragen seit dem Anfang des Liberalismus par excellence durchexerzieren: Meinungsfreiheit und Zensur, Informationsfreiheit und Gewaltenteilung. Im Prinzip überholen die Piraten in der Grundsätzlichkeit dieser wertliberalen Positionen die FDP, welche zu einem Klüngel neoliberaler Marktradikalen degeneriert ist. Insofern relativiert sich diese Monokausalität; es kann eigentlich keine grundsätzlicheren Themen geben in einer pluralistischen Demokratie. Ich befürchte jedoch, dass dies den Piraten nicht bewußt ist.
Zurück zum Thema: Chris arbeitet auf F!XMBR schön heraus, wie die Piraten einen Holocaustleugner in Amt und Würden gewählt haben. Man könnte ja nun mit den Achseln zucken und anmerken, dass sich damit lediglich gesellschaftliche Realitäten auch bei den Piraten widerspiegeln. Aber das lass ich mal; das wird dem Thema nicht gerecht und den Piraten auch nicht. Aber es zeigt, dass eine so grundsätzlich wertliberale Ausrichtung einer Partei nicht unbedingt vor historischer Betriebsblindheit schützt.
Auf meiner Suche nach faszinierenden Stimmen werde ich selten im Radio fündig. Selten: Manchmal also schon. Das hat vor allem den Grund, dass diese Stimmen – ob männlich oder weiblich – meist am Syntheziser nachbearbeitet, “veredelt” sind. Sie hören sich eben nicht mehr schön an, da die Nachbearbeitung Momente der Brüche und Nuancen ausbügelt. Ein krasses Beispiel davon kennt vermutlich jeder: Wer Metallica schon einmal Live gehört hat, fragt sich, wer für James Hetfield da die Studioaufnahmen singt. Ein anderes, interessantes Beispiel ist das durchaus nette Lied von Amy MacDonald This is the life: Die Studioversion hört sich schon ganz anders an, als die Liveversion. Dabei stört mich nicht ihr breiter schottischer Akzent, eher im Gegenteil: Die Überraschung kommt erst, wenn man die Studioversion im Radio rauf und runter gehört hat und danach erst eine Liveversion hört. Dabei hätte es dem Lied und dem Erfolg vermutlich nicht geschadet, hätte man etwas weniger daran herum geschraubt. Die Studioversion ist eine Idylle: Man kann nichts mehr hinzufügen und nichts entfernen, und diese Idylle wird nicht wirklich MacDonald gerecht. Leider.
Ich werde selten im Radio fündig, Amy MacDonald ist also so ein Beispiel, wo ich nicht fündig geworden bin, was weniger an ihrer Livestimme liegt, die durchaus etwas bemerkenswertes hat, sondern eher an der Diskrepanz zwischen Studio- und Liveversion. Das ist das Problem am Radio: Die Lieder suggerieren keine perfekte Stimme, sondern eine idyllische. Eine perfekte Stimme, für mich, kommt ohne diesen Krimskrams im Studio wenigstens in den größten Teilen aus – ein bisschen Nachbearbeitung beim Dämpfen der Höhen oder dem Drücken der Bässe ist ja OK. Eine perfekte Stimme zeigt Brüche auf, bildet einen Riss im Klangteppich, durch den ich hindurchschlüpfen kann. Sie ist glasklar in den Höhen und röhrend im Bass, sie weckt Sehnsüchte, die nicht erfüllt werden. Sie ist also das Gegenteil der computergenerierten Idylle. Es macht Spaß, ihr zuzuhören und es ist Leidenschaft enthalten. Nicht jeder kann so singen, aber jede Stimme kann zu einer Idylle geklickt werden.
Nun, ich werfe dem Papst nicht vor, katholisch zu sein, und der Popmusik nicht, kommerziell zu funktionieren. Das ist eben so. Computerverbügelte Stimmen im normierten Takt versprechen in der Summe des Hintergrundrauschens die größte Akzeptanz und somit tendenziell hohe Verkaufszahlen. Popsternchen verglühen schnell, sie verbrennen sich selbst durch ihre Affirmation. Dieser Einheitsbrei, dem fast jegliche Unterscheidungsmöglichkeit fehlt, frisst seine Kinder. Und doch ist dieser Kommerz, über den es sich so reflexartig schimpfen lässt wie über das schlechte Wetter und der bekanntermaßen zwei Seiten braucht, ansonsten würde er nicht funktionieren – die Kunden, Konsumenten also das bekommen, was sie verlangen; was sich eben verkaufen lässt – noch für Überraschungen gut an Stellen, wo man es als letztes vermutet hätte.
Ich bin nun schon einige Zeit von dem Sound und dem Funktionieren von Poker Face fasziniert. Im Video sieht man übrigens nicht, dass Stefani J. A. Germanotti mit knapp anderthalb Metern Körpergröße durch die Welt läuft; die Tänzer sind entweder zurecht gestutzt oder einer Jugendkapelle entnommen. Anders als bei Avril Lavigne, wo man in fast jedem Video ihre Körpergrösse einschätzen konnte; das geht in diesem Video von Lady Gaga nur noch bedingt: Man könnte sich zwar schon fragen, weshalb sie ungefähr so groß wie die Dalmatiner ist. Aber, geschenkt. Und, natürlich ist dieser Sound nachbearbeitet. Er kommt aus der Retorte und möchte überhaupt nicht suggerieren, er wäre nicht nachbearbeitet.
Lady Gaga – den Namen suchte sie sich in Anlehnung an Queens Radio Gaga aus und nicht in Anlehnung an die deutsche Konnotation - kann in der Tat richtig gute Musik machen. Und sie kann singen. Sie hat sogar eine sehr, sehr schöne Stimme und sie überrascht. Wer hätte das gedacht, der in ihren Liedern zu aller erst den penetranten Beat hört, der in der Massenkonformität nach Einheitsbrei schmeckt? Wie komme ich darauf – nun, ganz einfach:
Und so bricht die Idylle der Popmusik auf, die Risse kommen zum Vorschein, eine völlig neue Welt – ich fange an zu schwärmen – tut sich auf: Lady Gaga ist kein solches Popsternchen, das schnell verglühen wird. Sie spielt mit der Konformität und nutzt sie. Das ist in Ordnung. Dann kann sie auch sinnfreie Werbeinterviews mit Paris Hilton führen. Ob sie um diesen Umstand weiß, lässt sie offen. Vorerst.
Das Legoland ist ein exterritoriales Gebiet der Lego-Company. Gelb angemalte Botschafter sitzen in den Machtzentren dieser Welt und propagieren das lebenslange Spielen mit kleinen Steinchen. Coole Polizisten mit einer etwas eckigen Art regeln den Verkehr vor der Mittelalterburg zwischen intergalaktischem Sternenkreuzer und einem Baustellenfahrzeug.
So ungefähr könnte man sich die Legowelt in einer Kinderphantasie vorstellen. Gut, gut, denk ich mir: Aber weshalb sollte man bei diesem Spiel auf die Idee kommen, das Legoland zum Eurovision Song Contest zu schicken? Marketingabteilungen sind manchmal komisch.
Ich hab ja mit Fußball nix am Hut, ich verwechsle Abseits immer mit Abpfiff. Oder Anstoß mit Abstoß. Irgendwie nicht meine Welt. Daher find ich es echt gut, dass ich das hier sofort verstanden habe:
Was soll man da noch sagen, wenn eine der renommiertesten Zeitungen der USA in ihrem Überblicksartikel über Deutschland behaupten, das Jahr der Unabhängigkeit wäre 1871 gewesen? Man lacht ein wenig genüsslich, das schon, aber etwa im selben Moment fragt man sich, wie kommt man überhaupt darauf?