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Kategorien-Archiv: Erich Mühsam

Verwirrt von dem Erlebnis dieser Tage

28 Mittwoch Apr 2010

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Erich Mühsam, Lyrik, Pop & Ästhetik

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Schlagwörter

Ästhetik, Erich Mühsam, Lyrik, Mühsam

Verwirrt von dem Erlebnis dieser Tage
will ich zurück zu meinen Künsten fliehn.
Im stillen Rhythmus einer wehen Klage,
ein Neues, mag´s in fremde Seelen ziehn.
Vielleicht steht irgendwo ein Unbekannter,
in dessen Tränen eine meiner gleicht –
ein Trunkenbold des Leides, ein Verbannter,
verwirrt von einem Glück, das floh. Vielleicht…

Erich Mühsam, Der Krater (1909)

Karl Liebknecht – Rosa Luxemburg

15 Freitag Jan 2010

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Erich Mühsam, Gesellschaft et cetera, Lyrik

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Schlagwörter

Ästhetik, Deutschland, Erich Mühsam, Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg

Karl Liebknecht – Rosa Luxemburg
ermordet am 15. Januar 1919

Zieht euch die Kappen tiefer ins Gesicht,
wenn ihr an diesem trüben Wintertage
zur Arbeit schleicht.
Wie, Proletarier? Quälen euch die Sorgen,
ob ihr mit euerm Lohn die Woche reicht
und ob man mit der kargen Tüte nicht
euch die Papiere in die Hände schiebt?
Ihr seid es ja gewöhnt zu sehn,
wie Frau und Kinder hungern, die ihr liebt.
Vielleicht
steht morgen der Betrieb schon still.
Wenn es der Fabrikant so will,
wenn er euch nicht mehr braucht,
weil eurer Arbeitskraft Gewinnst
sich ihm nicht mehr nach Wunsch verzinst,
auch ihr in Frost und Not,
betrogen um der Kinder Brot,
vor Kirchentüren, winselnd um Almosen
und bis zum Knöchel watend in die Pfützen.
Vielleicht
schmeißt irgendwer euch einen Bettel in die Mützen.
Zieht euch die Kappen tiefer ins Gesicht.
An diesem Wintertag sind´s sieben Jahre -
da schlug man euer Hoffen auf die Bahre.
Vergeßt es nicht!
Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg – sie wußten:
Freiheit und Glück wächst nur aus starker Tat!
Sie starben für das Proletariat …
Doch, sollen sie darum gestorben sein
und alle, die nach ihnen sterben mußten -
darum schlöss´Tausende das Zuchthaus ein,
daß, Proletarier, ihr nach sieben Jahren,
dem Wucher mehr als je verknechtet,
als Paria der Republik entrechtet,
hilflose Sklavenscharen
den Mördern eurer Helden dienstbar seid?
Nein! Streift die Kappen hoch aus dem Gesicht!
Laßt Licht,
laßt Hoffnung in den Blick! Faßt Mut!
Schaut vor euch und ergebt euch nicht dem Leid!
Schwört euern Toten, die für euch gefallen,
schwört bei der Besten ungerächtem Blut -
und laßt zum Eid die roten Fahnen wallen:
Die Revolution, sie ist nicht verloren.
Das Elend mahnt uns, uns zu befrei´n.
Die Stunde ist nah – wir haben geschworen – :
Ihr Toten, wir woll´n eure Rächer sein!

Erich Mühsam, Sammlung 1898-1928,  (1928)

Weltjammer

13 Mittwoch Jan 2010

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Erich Mühsam, Lyrik, Pop & Ästhetik

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Schlagwörter

Deutschland, Lyrik, Mühsam, Weltjammer

Wie sie heulen, wie sie flennen,
wie sie sich geschäftig rackern!
Leben heißt den armen Knackern
Jammern und nach Gelde rennen.

Schätze haben, meint der Reiche,
macht nicht glücklich und zufrieden.
Nur die Gründe sind verschieden,
doch die Sorge bleibt die gleiche.

Keine haben, meint der Arme,
schafft erst recht Verdruß und Trauer!
König, Dame, Magd und Bauer -
alles stöhnt, daß Gott erbarme.

Ich nur lache. Gräßlich öde
dünkt mich Welt und Mensch und Leben.
Muß denn alles wimmern, beben? -
Gott ist doch ein Erztragöde! –

Derweil ich erhaben gähne
ob dem Jammern und dem Weinen,
kugelt mir aus meinem einen
Äuglein eine dicke Träne.

Erich Mühsam, Der Krater (1909)

Leitsatz

17 Dienstag Nov 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Erich Mühsam, Gesellschaft et cetera, Lyrik, Pop & Ästhetik

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Schlagwörter

Ästhetik, Erich Mühsam, Life, Lyrik, Mühsam

Fürcht nicht die Stunde, da du stirbst.
Die Welt, o glaub´s mir, kann dich missen.
Kein Stern, um dessen Licht du wirbst,
wird mit dir in den Tod gerissen.

Solang du lebst, wirst du gebraucht.
Soll dich das Leben nicht vergessen,
sorg, daß die Tat nicht untertaucht,
an der du deine Kraft gemessen.

Leb, daß du stündlich sterben kannst,
in Pflicht und Freude stark und ehrlich.
Nicht dich – das Werk, das du begannst,
mach für die Menschheit unentbehrlich!

Erich Mühsam, o.J.

Ich bin ein Pilger…

18 Sonntag Okt 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Erich Mühsam, Gesellschaft et cetera, Lyrik, Pop & Ästhetik

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Schlagwörter

Ästhetik, Erich Mühsam, Life, Lyrik, Mühsam

Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt;
der Feuer sieht und weiß nicht, wo es brennt;
vor dem die Welt in fremde Sonnen rennt.

Ich bin ein Träumer, den ein Lichtschein narrt;
der in dem Sonnenstrahl nach Golde scharrt;
der das Erwachen flieht, auf das er harrt.

Ich bin ein Stern, der seinen Gott erhellt;
der seinen Glanz in dunkle Seelen stellt;
der einst in fahle Ewigkeiten fällt.

Ich bin ein Wasser, das nie mündend fließt;
das tauentströmt in Wolken sich ergießt;
das küßt und fortschwemmt – weint und froh genießt.

Wo ist, der meines Wesens Namen nennt?
Der meine Welt von meiner Sehnsucht trennt?
Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt.

Erich Mühsam: Die Wüste (1904)

Ich möchte Gott sein…

04 Sonntag Okt 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Erich Mühsam, Gesellschaft et cetera, Gott vs. Die Welt, Lyrik

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Schlagwörter

Ästhetik, Deutschland, Erich Mühsam, Gott, Lyrik, Mühsam

Ich möchte Gott sein und Gebete hören
und meinen Schutz versagen können
und Menschenherzen zunichte brennen
und Seelenopfer begehren.
Und möchte Erde, Welt und All vernichten
und Trümmerhaufen über Trümmer schichten.
Dann müßte ein Neues entstehn -
und das ließ ich wieder vergehn.

Erich Mühsam: Die Wüste (1904)

Der Revoluzzer

20 Sonntag Sep 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Erich Mühsam, Gesellschaft et cetera, Lyrik, Pop & Ästhetik

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Schlagwörter

Ästhetik, Deutschland, Erich Mühsam, Life, Linke, Lyrik, Mühsam, Revoluzzer

Der Revoluzzer

Der deutschen Sozialdemokratie gewidmet

War einmal ein Revoluzzer
im Zivilstand Lampenputzer;
ging im Revoluzzerschritt
mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: “Ich revolüzze!”
Und die Revoluzzermütze
schob er auf das linke Ohr,
kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
mitten in der Straßen Mitten,
wo er sonsten unverdrutzt
alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen,
rupfte man die Gaslaternen
aus dem Straßenpflaster aus,
zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer
schrie: “Ich bin der Lampenputzer
dieses guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn’ das Licht ausdrehen,
kann kein Bürger nichts mehr sehen.
Laßt die Lampen stehn, ich bitt! -
Denn sonst spiel ich nicht mehr mit!”

Doch die Revoluzzer lachten,
und die Gaslaternen krachten,
und der Lampenputzer schlich
fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zu Haus geblieben
und hat dort ein Buch geschrieben:
nämlich, wie man revoluzzt
und dabei doch Lampen putzt.

Erich Mühsam: Der Krater (1909)

Gebt mir Schnaps

16 Mittwoch Sep 2009

Veröffentlicht von UnderTakeThisLaw in Bolles Welt, Erich Mühsam, Gesellschaft et cetera, Lyrik, Pop & Ästhetik

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Schlagwörter

Ästhetik, Erich Mühsam, Life, Linke, Lyrik, Mühsam, Schnaps

Gebt mir Schnaps, nach dem meine Seele lechzt!
Gebt mir Schnaps, nach dem meine Kehle krächzt!
Daß sich Friede an meine Schuhe binde!
Daß die verfluchte Qual endlich Ruhe finde! …
Wie es mir durch die Kehle gluckt!
Wie es mir in der Seele juckt!
Ich will kein Bier; – ich will keinen Wein!
Schnaps will ich! Schnaps will meine Pein! – -
Verliebter Igel, sauf! sauf! sauf! -
Morgen wacht alle Qual wieder auf…
Gebt mir Schnaps!

Erich Mühsam: Der Krater (1909)

Was mal wichtig war

To play or not to play

Antisemitismus in der Partei Die Linke

Und immer wieder: WIZO

2012, Avatar & Co: Arbeit unterm Spätkapitalismus

Der 9.11.1969 und die Linke

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